Sieben studentische Migrationstypen

Aus den Ergebnissen zur studentischen Migration aus der Studie „Fachkraft 2020“ lassen sich sieben Arten von studentischer Migration ableiten, die nachfolgend näher beschrieben werden. Untersucht wurde die Migration in zwei Schritten: Zuerst von dem Ort des Schulabschlusses zum Studienort, dann vom Studienort zum Ort, an dem man den Berufseinstieg plant. Dabei ist zu beachten: Alle Angaben für den bildungsbiografischen Schritt “Schule” zu “Studium” dürfen als faktisch untermauert angesehen werden (da in der Vergangenheit liegend). Demgegenüber handelt es sich bei der auf die individuelle berufliche Zukunft abzielenden Frage nach dem Jobeinstieg um eine Absichtserklärung. Die im weiteren Verlauf genannten Zahlen umfassen beide Karriereschritte. Die unten stehenden Tabellen beschreiben die prozentuale Häufigkeit des jeweiligen Migrationstyps in den Bundesländern beziehungsweise deutschlandweit.

Typ 1: “Heimatverbunden”
Die studentische Migrationvariante “Heimatverbunden” zeichnet sich dadurch aus, dass hier die drei maßgeblichen Schritte auf dem Weg in die berufliche Etablierung – Schule, Studium, Jobeinstieg – in ein und demselben Bundesland vollzogen werden (sollen). Im Rahmen der Erhebung zum Sommersemester 2013 konnte dieser Typus am häufigsten in Bayern nachgewiesen werden, wo 62 Prozent der Befragten angaben, alle genannten Schritte im heimatlichen Bundesland absolvieren zu wollen. Es folgen Nordrhein-Westfalen (55 %) und Berlin mit 47 Prozent der Befragten. Den bundesweit mit Abstand geringsten Anteil des Typs “Heimatverbunden” stellt mit 8 Prozent Brandenburg. In Bremen, gelegen auf dem vorletzten Platz, ist der Anteil mit 18 Prozent bereits deutlich höher. Insgesamt gehören 43 Prozent der Studierenden in Deutschland diesem Typus an.

Baden-Württemberg 46%
Bayern 62%
Berlin 47%
Brandenburg 8%
Bremen 18%
Hamburg 36%
Hessen 40%
Mecklenburg-Vorpommer 20%
Niedersachsen 27%
Nordrhein-Westfalen 55%
Rheinland-Pfalz 24%
Saarland 24%
Sachsen 39%
Sachsen-Anhalt 20%
Schleswig-Holstein 21%
Thüringen 26%
deutschlandweit 43%
© STUDITEMPS GmbH / Maastricht University

 

Typ 2: “Fortzug nach der Schule”
Dieser Typus ist dadurch charakterisiert, dass das heimatliche Bundesland bereits nach der Schule verlassen und eine beruflich bedingte Rückkehr im Anschluss an das Studium ausgeschlossen wird. Relational zum Ergebnis des vorher definierten Typus “Heimatverbunden” liegt in diesem Bereich Brandenburg an der Spitze. 36 Prozent der hier Befragten gaben an, dem Bundesland bereits nach dem Erwerb der Hochschulzulassung dauerhaft den Rücken gekehrt zu haben. Es folgen Sachsen-Anhalt (25 %) und Mecklenburg-Vorpommern sowie Bremen mit jeweils 22 Prozent. Das bundesweit geringste Maß an studentischer Abwanderung direkt nach dem Abitur kann mit 3 Prozent Berlin für sich verbuchen. Jeder zehnte Studierende in Deutschland gehört diesem Typus an.

Baden-Württemberg 6%
Bayern 4%
Berlin 3%
Brandenburg 36%
Bremen 22%
Hamburg 8%
Hessen 10%
Mecklenburg-Vorpommer 22%
Niedersachsen 15%
Nordrhein-Westfalen 4%
Rheinland-Pfalz 19%
Saarland 11%
Sachsen 8%
Sachsen-Anhalt 25%
Schleswig-Holstein 16%
Thüringen 18%
deutschlandweit 10%
© STUDITEMPS GmbH / Maastricht University

 

Typ 3: “Fortzug nach dem Studium – national”
In diesem Bereich trägt zunächst das heimatliche Bundesland Sorge für die schulische und akademische Ausbildung der Befragten, anschließend möchten die Absolventen zum Zweck des Berufseinstiegs das Bundesland verlassen. Prozentual betrachtet, kommt dieser Typus mit einem Anteil von 24 Prozent am häufigsten in Sachsen-Anhalt vor. Es folgen das Saarland (21 %) und Rheinland-Pfalz (17 %). Am seltensten betroffen von innerdeutscher Absolventen-Abwanderung sind Hamburg und Bayern mit jeweils 5 Prozent. Bundesweit gesehen, gehören 11 Prozent der Befragten diesem Typus an.

Baden-Württemberg 7%
Bayern 5%
Berlin 6%
Brandenburg 14%
Bremen 13%
Hamburg 5%
Hessen 11%
Mecklenburg-Vorpommer 15%
Niedersachsen 14%
Nordrhein-Westfalen 11%
Rheinland-Pfalz 17%
Saarland 21%
Sachsen 15%
Sachsen-Anhalt 24%
Schleswig-Holstein 16%
Thüringen 16%
deutschlandweit 11%
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Typ 4: “Fortzug nach dem Studium – international”
Dieser Typus definiert sich dadurch, dass Schule bzw. Hochschulzulassung und Studium in ein und demselben Bundesland stattfinden – gefolgt von beruflich bedingter Abwanderung ins Ausland. Bundesweit lassen sich 12 Prozent der Befragten diesem Typus zuschlagen. Auf Länderebene liegt in dieser Frage Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von 15 Prozent der dortigen Hochschülerinnen und Hochschüler vorne. Knapp dahinter folgen Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils 14 Prozent. Den bundesweit geringsten Anteil stellt Sachsen-Anhalt mit 3 Prozent.

Baden-Württemberg 14%
Bayern 14%
Berlin 13%
Brandenburg 5%
Bremen 13%
Hamburg 10%
Hessen 12%
Mecklenburg-Vorpommer 9%
Niedersachsen 9%
Nordrhein-Westfalen 15%
Rheinland-Pfalz 10%
Saarland 6%
Sachsen 11%
Sachsen-Anhalt 3%
Schleswig-Holstein 8%
Thüringen 5%
deutschlandweit 12%
© STUDITEMPS GmbH / Maastricht University

 

Typ 5: “Heimkehr nach dem Studium”
11 Prozent der Studierenden in Deutschland wollen das heimatliche Bundesland lediglich zu Studienzwecken verlassen, um anschließend in beruflicher Hinsicht dort wieder präsent zu sein. Damit handelt es sich hierbei de facto lediglich um eine bildungsbiografisch bedingte Abwanderung auf Zeit. Besonders häufig kommt diese den Angaben der Befragten zufolge in den Stadtstaaten Hamburg (23 %), Berlin (21 %) und Bremen (16 %) vor. Am anderen Ende der Skala liegen gleichauf mit einem Anteil von jeweils 6 Prozent Studierende aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig Holstein.

Baden-Württemberg 15%
Bayern 9%
Berlin 21%
Brandenburg 10%
Bremen 16%
Hamburg 23%
Hessen 12%
Mecklenburg-Vorpommer 6%
Niedersachsen 12%
Nordrhein-Westfalen 8%
Rheinland-Pfalz 10%
Saarland 10%
Sachsen 12%
Sachsen-Anhalt 6%
Schleswig-Holstein 6%
Thüringen 11%
deutschlandweit 11%
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Typ 6: “Etappenwanderung – national”
Dieser Typus ist dadurch charakterisiert, dass sämtliche Etappen auf dem Weg in den Beruf in unterschiedlichen Bundesländern vollzogen werden. Bundesweit 7 Prozent der Hochschülerinnen und Hochschüler gaben an, diese Vorgehensweise für sich in Anspruch zu nehmen. Erheblich über dem Bundesschnitt rangieren mit 22 Prozent die Befragten aus dem Saarland, dies markiert zugleich den Spitzenwert aller Bundesländer. Es folgen die Studierenden aus Schleswig-Holstein (20 %) und Mecklenburg-Vorpommern (18 %). In Bayern hingegen können sich mit diesem Typus lediglich 2 Prozent der Studierenden identifizieren. Und auch Berlin verbleibt mit einem Anteil von 3 Prozent deutlich im unteren einstelligen Bereich.

Baden-Württemberg 4%
Bayern 2%
Berlin 3%
Brandenburg 17%
Bremen 14%
Hamburg 5%
Hessen 7%
Mecklenburg-Vorpommer 18%
Niedersachsen 11%
Nordrhein-Westfalen 3%
Rheinland-Pfalz 12%
Saarland 22%
Sachsen 8%
Sachsen-Anhalt 14%
Schleswig-Holstein 20%
Thüringen 13%
deutschlandweit 7%
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Typ 7: “Etappenwanderung – international”
Auch hier finden zunächst sämtliche bildungsbiografischen Schritte in unterschiedlichen Bundesländern statt. Die nächste Etappe – der berufliche Einstieg – soll daran anschließend im Ausland erfolgen. Bundesweit an der Spitze liegt hier der Norden Deutschlands, Hamburg und Schleswig-Holstein teilen sich Platz eins mit jeweils 14 Prozent. Es folgen Thüringen und Niedersachsen mit einem Studierenden-Anteil von 11 Prozent. Hingegen ist dieser Typus in Bremen und Nordrhein-Westfalen mit jeweils 5 Prozent am seltensten anzutreffen. Bundesweit liegt der Durchschnitt für “Etappenwanderung – international” bei 7 Prozent.

Baden-Württemberg 8%
Bayern 5%
Berlin 7%
Brandenburg 10%
Bremen 4%
Hamburg 14%
Hessen 8%
Mecklenburg-Vorpommer 10%
Niedersachsen 11%
Nordrhein-Westfalen 4%
Rheinland-Pfalz 8%
Saarland 5%
Sachsen 7%
Sachsen-Anhalt 7%
Schleswig-Holstein 14%
Thüringen 11%
deutschlandweit 7%
© STUDITEMPS GmbH / Maastricht University