Fächerbelegung nach Geschlecht

Der Vergleich nach Geschlecht offenbart für die Belegung im Hauptfach eine Reihe nennenswerter Unterschiede, die analog zu weiteren wissenschaftlichen Befunden die Tendenz einer sich an klassischen Bildungsmustern orientierenden Wahl von Studienrichtung und Berufsziel erkennen lassen.

So überwiegt bei Frauen im Vergleich zu Männern im Sommersemester 2012 die Fachbelegung in den Bereichen Sprach- und Kulturwissenschaften (14 % vs. 5.1 %), Erziehungswissenschaften (7.6 % vs. 2.7 %) und Psychologie (3 % vs. 1 %) – allesamt im Verhältnis von annähernd 3:1. Hinzu kommen bei abgeschwächter Ungleichheit die Sozial- und Geisteswissenschaften (14.8 % vs. 10.7 %) oder beispielsweise Kunst/Musik (3.9 % vs. 2,4 %).

Diese Disparität bestätigt die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAS) festgestellte ungleiche Geschlechterverteilung im MINT-Bereich und weist vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels auf ein grundlegendes bildungspolitisches Problem hin. Besonders ausgeprägt ist die Abweichung im Bereich der Ingenieurwissenschaften, die zum Sommersemester 2012 auf männlicher Seite im Hauptfach von 26,7 Prozent der Befragten belegt wurden, auf weiblicher Seite hingegen lediglich von 7,5 Prozent. Damit liegt in diesem Fall ein Verhältnis von annähernd 4:1 vor – ein höherer Wert als bei der zuvor dargestellten Fächerdominanz auf weiblicher Seite.

Selbiges gilt für den Bereich Informatik, in dem auf männlicher Seite 9,1 Prozent rund 2,5 Prozent weiblichen Studierenden gegenüberstehen. In zwei weiteren MINT-Fächern ist ein vergleichbares Ungleichgewicht nicht bzw. weniger stark ausgeprägt – Mathematik und Naturwissenschaften. Denn während im Fachbereich Mathematik nur noch von einer eingeschränkten männlichen Dominanz gesprochen werden kann (2,6 % vs. 1,9 %), gibt es im Bereich der Naturwissenschaften sogar ein leichtes Übergewicht auf weiblicher Seite (9 % vs. 9,1 %).

Reduziert man die Perspektive in der Analyse auf die kumuliert männliche und weibliche Partizipation an Fächern aus dem MINT-Bereich, lassen sich folgende Erkenntnisse festhalten: Insgesamt waren im Sommersemester 2012 über 47 Prozent der männlichen Studierenden in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften eingeschrieben. Demgegenüber stehen auf weiblicher Seite lediglich 20 Prozent, mehrheitlich im Bereich der Naturwissenschaften. Auf männlicher Seite überwiegen, wie bereits erwähnt, die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge.

Im Gegensatz zu den MINT-Fächern haben wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge für beide Geschlechter eine hohe Relevanz. Sie dominieren auf weiblicher Seite mit 18,6 Prozent der Teilnehmerinnen, wohingegen sie auf männlicher Seite gleich hinter den Ingenieurwissenschaften rangieren (20,5 %). Der Blick auf die geschlechtsbezogene Belegung in den Nebenfächern offenbart ein den zuvor dargestellten Ergebnissen vergleichbares Gesamtbild und soll daher an dieser Stelle nicht vertieft werden.

Tabelle: Prozentuale Fächerbelegung im Hauptfach nach Geschlecht

männlich weiblich
Erziehungswissenschaften 2.7 % 7.6 %
Informatik 9.1 % 2.5 %
Ingenieurwissenschaften 26.7 % 7.5 %
Kunst / Musik 2.4 % 3.9 %
Mathematik 2.6 % 1.9 %
Medienwissenschaften 3.5 % 5.9 %
Medizin / Gesundheitswissenschaften 3.1 % 6.0 %
Naturwissenschaften 9.0 % 9.1 %
Psychologie 0.9 % 3.0 %
Rechtswissenschaft/ Jura 3.8 % 5.4 %
Sozial- und Geisteswissenschaften 10.7 % 14.8 %
Sprach- und Kulturwissenschaften 5.1 % 14.0 %
Wirtschaftswissenschaften 20.5 % 18.6 %